Gesunde Beziehungen führen

von Marco Glatz (Kommentare: 0)

Wir begegnen in unserem Leben den unterschiedlichsten Menschen. Ob auf der Arbeit, im Freundeskreis oder im Alltag. Jedes Mal, wenn wir mit Menschen agieren, stehen wir in einem Bezug zu ihnen – wir haben eine Beziehung mit ihnen. Wenn auch meist unsere Liebesbeziehungen die wichtigsten sind, dürfen wir nicht vernachlässigen, dass auch freundschaftliche und familiäre, aber auch berufliche Beziehungen viel Aufmerksamkeit und Pflege erfordern. Schnell kann es geschehen, dass sonst Missverständnisse, Ungleichgewichte und Ärgernisse entstehen.

Wir gehen Beziehungen ein, weil wir der Meinung sind, dass der andere Mensch in gewisser Hinsicht zu uns passt. Je nach Beziehung variieren die Punkte, die dabei für uns wichtig sind. Während bei Liebesbeziehungen die Kompatibilität im Alltag, Vertrauen und das Aussehen wichtig sind, interessiert uns bei beruflichen Beziehungen mehr der eigene Vorteil. Wobei wir nicht vergessen dürfen, dass es in jeder Beziehung ein Geben und Nehmen gibt, wenn auch nicht immer auf materieller Ebene. In Beziehungen sind auch Zeit und Aufmerksamkeit wichtige Austauschfaktoren. Es ist somit nicht egoistisch, Beziehungen nach ihrem Wert für sich selbst zu beurteilen, denn völlig bedingungslose Beziehungen sind selten erfüllend.

Das Hauptproblem, das eine Beziehung unausgeglichen macht, ist Abhängigkeit. In gewisser Weise sind wir immer von unserem Partner abhängig. An sich ist das nichts Schlechtes und kann, wenn es zwischen beiden Seiten ausgeglichen ist und in einem bestimmten Rahmen gehalten wird, zu der Beziehung und dem Vertrauen beitragen. Wenn jedoch die Abhängigkeit auf einer Seite zu stark wird, gerät das Machtverhältnis aus dem Gleichgewicht. So kann schnell eine ungesunde Beziehung entstehen, weil der abhängige Partner alles erdenkliche auf sich nimmt, um die Beziehung aufrecht zu erhalten und der andere Partner verlangen kann, was er will, ohne etwas zurückzugeben.
Die Ursache für eine solche Abhängigkeit liegt im eigenen Denken. Man hat sich völlig auf den Partner fixiert und schätzt ihn weit höher als sich selbst. Oft kommt hinzu, dass man der Meinung ist, keinen anderen Partner finden zu können und bevorzugt eine schlechte Beziehung gegenüber gar keiner Beziehung. Hier hilft es nur, diese Fixierung zu lösen und das eigene Selbstbewusstsein zu stärken um aus dem abhängigen Denkmuster heraus zu kommen. Letztlich muss auch eingesehen werden, dass diese Denkweise einen immer tiefer in die Abhängigkeit bringt und man, wenn der Partner die Beziehung beendet, umso tiefer fällt.

Wünsche und Erwartungen in einer Beziehung!

Ein weiteres großes Problem ist es, nicht zu dem eigenen Wünschen und Erwartungen zu stehen oder diese nicht richtig ausdrücken zu können. Zurückhaltung und Bescheidenheit werden meist als wünschenswerte Eigenschaften gesehen, doch bringen sie einen in der Realität nicht weit. Oft hängt eine Beförderung oder Gehaltserhöhung von einer einzigen Frage ab und manchmal bedarf es nur ein klein wenig Hartnäckigkeit, um große Vorteile im eigenen Leben zu gewinnen. Wenn im Restaurant die falsche Speise gekocht wurde oder eine andere Arbeit, für die man bezahlt hat, nicht wie gewünscht ausgeführt wurde, bleiben viele oft ruhig, aus Angst davor, aufzufallen oder auch einfach nur aus falscher Bescheidenheit und Zurückhaltung. Doch auch im größeren Maßstab können nicht nur viele Vorteile außen vor bleiben, sondern sich viele Situationen ins Negative wenden. Manch einer hätte seinen Beruf oder seine Ehe retten können, wenn er sich nur etwas mehr für seine eigenen Bedürfnisse eingesetzt hätte.

Ein Recht auf ein erfülltes Leben!

So kommt es nicht selten vor, dass man sich über seinen Partner beschwert und bestimmte Verhaltensweisen bemängelt, ihn aber nie direkt darauf angesprochen hat. Oft wird auch zu schnell von der eigenen Position zurückgewichen. Schuld daran ist unser Gehirn. Da das Gehirn einen Großteil der zur Verfügung stehenden Energie verbraucht, hat es sich in der Evolution bewährt, Tätigkeiten, die viel Gehirnaktivität benötigen, zu vermeiden. Eine dieser Tätigkeiten sind Konflikte. Der Mensch bevorzugt es deshalb, Konflikte zu vermeiden und sich lieber mit weniger zufrieden zu geben. Heute, da wir genug Nahrung und Ruhezeit zur Verfügung haben und unsere Energie kaum einsparen müssen, ergibt diese Prägung natürlich keinen Sinn mehr, doch Evolution vollzieht sich über hunderttausende von Jahren, deshalb haben wir diese Eigenschaft noch immer. Hinzu kommt, dass viele Menschen Angst vor Ablehnung haben und sich deswegen nicht trauen, für ihre Bedürfnisse einzustehen. Manchmal spielen auch Minderwertigkeitskomplexe und das Gefühl, etwas nicht zu verdienen eine Rolle. Auch hier hilft es, das Selbstbewusstsein zu stärken und sich bewusst zu machen, dass man ein Recht auf ein erfülltes Leben hat. Zudem verändern sich Gehirnstrukturen durch Wiederholungen. Je öfter wir also eine Verhaltensweise durchführen, desto weniger Überwindung kostet sie uns. Somit ist es möglich, in kleinen Schritten anzufangen und sich dann immer weiter zu arbeiten.

Den Sinn in einer Beziehung verlieren!

Beziehungen verlieren auch ihren Sinn, wenn die gegenseitigen Prioritäten ins Ungleichgewicht geraten. Dies geschieht oft schon am Anfang von Liebesbeziehungen, kommt jedoch auch in freundschaftlichen und familiären Beziehungen vor. Wenn wir immer verfügbar sind, sobald der Andere Hilfe braucht, aber wenn wir Hilfe brauchen, wir mit schlechten Ausreden abgewimmelt werden, läuft eindeutig etwas schief. Es kann immer vorkommen, dass der andere wirklich keine Zeit hat, doch wenn dies zur Regel wird, muss auf jeden Fall ein Gespräch gesucht werden und dem Gegenüber klar gemacht werden, dass dies keine gesunde Beziehung mehr ist. Wenn sich danach trotzdem nichts ändert, ist es ohne Zweifel notwendig, die Beziehung zu beenden. Wenn die Beziehung aus Gewohnheit oder Bequemlichkeit dennoch aufrechterhalten bleibt, wird das Ungleichgewicht zwangsläufig zunehmen und man verliert den Respekt gegenüber sich selbst.

Die Fähigkeit, gesunde Beziehungen zu führen, hängt also hauptsächlich mit unserem eigenen Denken zusammen. Wir müssen verstehen, dass jede Art von Beziehung ein ausgeglichenes Verhältnis von Geben und Nehmen beinhaltet und wir uns dafür einsetzen müssen, dass dieses Verhältnis nicht zu unserem Ungunsten ausfällt. Oft sind Ängste und mangelndes Selbstvertrauen Schuld daran, dass wir in ungesunden Beziehungen bleiben und diese nicht wieder in ein gesundes Gleichgewicht bringen. Zwar kann Selbstvertrauen langsam aufgebaut und Ängste können Schritt für Schritt überwunden werden, doch kommt es vor, dass man selbst dafür nicht die Stärke findet oder auch keine weitere Zeit verschwenden möchte. In diesem Fall gibt es professionelle Beratungen und Coachings, in denen vermittelt wird, wie man sich auf dem besten Weg seines eigenen Wertes bewusst wird und anschließend auch die Beziehungen zum sozialen Umfeld so verändert, dass sie auf gleichwertiger und respektvoller Basis ablaufen.
Bei der Überwindung von Ängsten und ungünstigen Verhaltensmustern hat sich ebenfalls die Hypnose-Therapie bewährt und verspricht schnelle und andauernde Erfolge. Das Wichtigste ist immer, den ersten Schritt zu machen. Die dann eintretenden Erfolge geben den Mut und die Motivation weiter zu machen.

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