Psychologie auf einer Segelyacht

von Glatz Marco

Psychologie an Bord einer Segel-Yacht

Ein Segeltörn auf einer Segelyacht verspricht Abenteuer, Spaß und Erfahrung. Für den Skipper bedeutet dies, mehr als Verantwortung für das Schiff zu tragen. Der beengte Raum auf und unter dem Deck ist für Gelegenheitssegler ungewohnt. Während der Passagen führt die Crew Segelmanöver durch, die vom Skipper kurz und konzentriert angewiesen werden. Im Hafen gibt es dagegen eine gelöste Stimmung in der Plicht. Seefahrtschulen betonen, dass der Bootsführer in dem Spannungsfeld zwischen dem fachlichen Führen und der freundschaftlichen Verbundenheit zu seiner Crew steht.

Segelschulen lehren, dass Skipper als verantwortliche Führer der Jacht die Crewmitglieder motivieren und situationsgerecht anweisen. Das ist schwierig, wenn die Gruppe aus Freunden des täglichen Lebens besteht oder Vorgesetzte aus dem Berufsleben mit an Bord sind. Der Skipper am Rudergang legt den Kurs fest, bestimmt die zu segelnde Route und gibt entsprechende seemännische Anweisungen an die Crewmitglieder. Hier ist er der Chef, der die Aufgabe hat, seine Mitsegler anzuleiten und alle in die Gruppe zu integrieren. Bereits während der Ausbildung in einer Segelschule lernen die angehenden Bootsführer, die Gruppe den persönlichen Fähigkeiten entsprechend zu strukturieren. Segelkommandos werden kurz aber präzise erteilt. Die Freizeitcrew kann den ungewohnten Umgangston jedoch als persönlichen Angriff missverstehen. Was macht es dann mit der Psychologie an Bord einer Segel-Yacht?

erkenne Eindrücke

Neue Eindrücke strömen auf die unerfahrenen Teilnehmer eines Törns ein.

Die Weite des Meeres, die Faszination des Segelns oder die reizvolle Atmosphäre an Bord erleben manche Landratten zum ersten Mal. Aktionen, die den Skipper seit der Ausbildung an einer Seefahrtschule lange Jahre begleiten, müssen wiederholt und geduldig erklärt werden. Die soziale Kompetenz des Schiffsführers zeigt sich durch Disziplin und Nachsicht. Handgriffe an Bord dauern bei „Neuen“ länger als bei routinierten Seglern. Die Koordination der Mitsegler durch den Skipper motiviert die Mannschaft. Sie gibt ihnen das Gefühl der Zusammengehörigkeit, denn alle möchten lernen. Erhält jeder an Bord seine abgegrenzte Aufgabe, entstehen Prozesse, die die Gruppendynamik fördern.

Ausrutscher des Teamchefs gegenüber Teilnehmern wandelt beginnendes Vertrauen in Angst um. Subtile Ängste äußern sich in einem aggressiveren Verhaltensmuster. Der einzige private Freiraum auf einem Segelschiff ist die eigene Koje. Alle anderen Bereiche werden gemeinsam benutzt. Da gerät ein benutztes Glas in den Mittelpunkt einer endlosen Diskussion, ein achtlos abgelegtes Handtuch zum Streitpunkt. Sind die Kontrahenten nicht tolerant genug, verlangt es vom Skipper Fingerspitzengefühl, um eine drohende Auseinandersetzung entgegenzuwirken. Sarkasmus und Ironie sind ebenso wenig angebracht, wie den Disput „tot zu schweigen“ oder zu ignorieren. Offener Streit während eines Törns kann zum Ende jahrelanger Freundschaften werden.

Gemeinsam lernen

Aus eigener Erfahrung in der Segelschule

weiß der Skipper, dass sich Konflikte ankündigen. Einzelne sondern sich stillschweigend ab, scheinbar unbegründet herrschen sich Crewmitglieder lautstark an. Oft sind es Missverständnisse, unterschiedliches soziales Verhalten und Ungeduld, die die Stimmung an Bord zum Kippen bringen. Der Skipper als Moderator muss sich selbst hinterfragen, ob er der gestellten Aufgabe gerecht werden kann. Freundschaftliche Sticheleien sind nicht zu verwechseln mit ernst zu nehmenden persönlichen Angriffen.

Eine Seefahrtschule wie Christine Sailing in Wien, nimmt nicht umsonst die psychologische Führung in ihr Programm auf. Das gruppenorientierte Segeln, bei der die Crew gelassen den Törn genießen kann, führt zu einem gemeinsamen Teamerlebnis.

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