5 Vorurteile über die Hypnose widerlegt

von Glatz Marco

5 Vorurteile und Mythen entkräftet

Letzens bei einem Spaziergang in Wien, fragte mich eine Freundin: „Marco, geht das wirklich bei einer Hypnose und bin ich dir da ausgeliefert und erzähle dir alles, auch wenn du es nicht wissen solltest, bin ich komplett weg und merke gar nicht mehr, was um mich herum passiert und am Schluss kann ich mich an gar nichts mehr erinnern?“ Genau solche Fragen haben mich dazu bewogen, den folgenden Artikel zu schreiben.

Obwohl die Hypnose bereits seit dem Altertum bekannt ist und seit mehreren hundert Jahren wissenschaftlich untersucht wird, hat sie nicht wirklich den Weg in die Gesellschaft gefunden. Noch immer existieren viele Vorurteile, Zweifel und Ängste hinsichtlich dieser Behandlungstechnik. Dadurch ziehen viele Patienten eine Behandlungsmethode gar nicht erst in Betracht, die bei vielen Problemen weit effektiver, langfristiger und nebenwirkungsfreier helfen kann, als andere Therapien. Manche Vorurteile sind verständlich und nachvollziehbar, da die Hypnose und die Tiefenpsychologie im Gebiete sind, zu denen die meisten Menschen kaum Zugang haben. Es wird hierbei hauptsächlich mit dem Unterbewusstsein gearbeitet, um die dort befindlichen Ursachen vieler Probleme zu erreichen und zu lösen. Da wir uns normalerweise wenig mit dem Unterbewusstsein beschäftigen, ist dies für uns ein dunkles, unerforschtes Gebiet, von dem wir auch nur durch Träume eine annähernde Vorstellung haben. Diese Unwissenheit kann selbstverständlich Zweifel auslösen. Aufgrund der jahrhundertelangen Untersuchung der Hypnose ist diese Praxis jedoch mittlerweile weit erforschter als viele denken. Somit wurden bereits viele Vorurteile und Mythen entkräftet und es wurde gezeigt, dass die Hypnose keine zweifelhafte unwissenschaftliche Methode ist, sondern ein unerlässliches Hilfsmittel in der Behandlung vieler körperlicher sowie psychischer Probleme.


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Vorurteil 1: Die Hypnose ist nur ein Bühnentrick und die Probanden sind alle eingeweiht

Die meisten Menschen kennen die Hypnose aus dem Zirkus oder dem Fernseher, wo sie als spektakuläre Showeinlage verwendet wird. Die dort gezeigten Vorgänge sind interessant anzusehen, haben aber abgesehen von der Unterhaltung keinen Nutzen. Oft scheint es sogar so, als wäre alles nur ein Trick und die hypnotisierten Personen schauspielern alles nur. Auch wenn dies in manchen Fällen tatsächlich zutreffen kann, sind die Tricks der Show-Hypnose oft durchaus real. Da der kritische Teil des Verstandes ausgeschaltet wird und die Suggestionen ungefiltert vom Unterbewusstsein angenommen werden können, lassen sich kurzfristige Effekte in das Unterbewusstsein einprogrammieren, was zur Unterhaltung für lustige und interessante Tricks genutzt wird. Jedoch hat die Show-Hypnose nicht viel mit der Hypnose für Coaching und therapeutische Zwecke zu tun. Zwar ist der Zustand ein ähnlicher, aber viel mehr haben die beiden Methoden nicht gemeinsam. Bei der Show-Hypnose wird meist durch einen Überraschungs- oder Schreckmoment das analytische Bewusstsein geschwächt und anschließend durch Suggestionen eine Trance eingeleitet. Dies geschieht innerhalb von wenigen Sekunden, wodurch die Trance nur kurzfristig und instabil ist. Für kleinere Tricks mag dies reichen, doch zur ernsthaften Behandlung ist diese Art der Trance weniger geeignet. Dort wird langsam eine Trance eingeleitet und weiter vertieft. Der Klient muss sich auf die Hypnose einlassen und gewillt sein, mitzuarbeiten. Dadurch kann die Einleitung durchaus etwas länger dauern, doch die daraus resultierende Trance ist weit tiefer und stabiler. Außerdem ist es üblich, mehrere Hypnosesitzungen abzuhalten, so dass die Suggestionen sich langfristig auswirken können.

Vorurteil 2: Die Hypnose ist gesundheitsschädlich und schadet mehr als sie nützt

Wer sich bereits etwas näher mit der Hypnose beschäftigt hat, wird bereits von den Vorwürfen gehört haben, dass die Hypnose manche gesundheitlichen Probleme ausgelöst haben soll. Auch dieser Vorwurf ist hauptsächlich im Showbereich entstanden. Es kam bereits öfters vor, dass unprofessionelle Hypnotiseure, die nicht ausreichend über die Vorgänge und Sicherheitsmaßnahmen bei der Hypnose informiert waren, auf der Bühne gravierende Fehler begangen haben. So gibt es beispielsweise einen Hypnosetrick, bei welchem eine Person hypnotisiert wird und anschließend mit Kopf und Füßen auf zwei Stühle gelegt wird, so dass der Körper steif in der Luft bleibt. Ein erfahrener und verantwortungsvoller Hypnotiseur hätte zuvor sichergehen müssen, dass die hypnotisierte Person keinerlei körperliche Beschwerden hat. Bei Problemen wie beispielsweise einem Rückenleiden ist dieser Trick natürlich schädlich. Manchmal stellt sich zudem noch der Hypnotiseur auf den Bauch der Person. Selbst bei gesunden Menschen ist dies eine kritische Belastung, es ist also kein Wunder, wenn die Person anschließend über starke Beschwerden klagt. Zum Glück sind solche Praktiken mittlerweile selten geworden, kommen aber vereinzelt noch immer vor. Hier ist der beste Weg, den Hypnotiseur auf die Schädlichkeit seiner Tricks aufmerksam zu machen. Für gewöhnlich ist er sich der Schädlichkeit selbst nicht bewusst. Früher waren die gesundheitlichen Auswirkungen noch nicht so weit erforscht wie heute und manche Hypnotiseure führen sie noch immer aus, wenn sie nicht auf dem neuesten Stand der Forschung sind. Tatsächlich könnten diese Hypnotiseure wegen Körperverletzung verklagt werden.
Ein anderes Fehlverhalten des unerfahrenen Hypnotiseurs, welches hingegen eher in der gesundheitlichen Behandlung auftritt, ist es, ein Leiden einfach „wegzuhypnotisieren“. Es wurde schon oft davon berichtet, dass Hypnotherapeuten in der Hypnosesitzung die Suggestion gaben, dass ein gewisser Schmerz ab jetzt nicht mehr empfunden wird. Dies ist jedoch nur eine Symptombehandlung. Schmerz ist immer ein Warnsignal des Körpers und dieses durch Hypnose zu unterdrücken ist sehr fahrlässig. Die Folge ist, dass der Patient das betroffene Körperteil aufgrund der fehlenden Schmerzen nicht schont und das Problem unbemerkt immer schlimmer wird. So können ernsthafte Probleme nicht nur entstehen, sondern auch lange unbehandelt bleiben und durch eventuelle Entzündungen ein echtes Risiko darstellen. Ein erfahrener Hypnotiseur kennt dieses Risiko und behandelt immer die Ursache von Problemen, ohne nur das Symptom unterdrücken.
Auch werden oft negative Auswirkungen auf die Psyche vermutet. Das Unterbewusstsein ist ein sehr empfindlicher Teil des Menschen. Deshalb befinden sich in unserem Bewusstsein mehrere Filter, die verhindern, dass alles, was wir hören ungeprüft zum Unterbewusstsein gelangt. Diese Filter werden bei der Hypnose umgangen, damit das Unterbewusstsein direkt angesprochen werden kann. Hier kann es tatsächlich zu Problemen kommen, wenn in diesem Zustand falsch mit dem Patienten umgegangen wird. Doch ein erfahrener Hypnotiseur weiß, wie das Unterbewusstsein funktioniert und was für Suggestionen gegeben werden müssen. Zudem muss schon über längere Zeit sehr fahrlässig vorgegangen werden, um langfristige Probleme auszulösen. Unser Unterbewusstsein ist zwar sehr empfindlich, aber immerhin ein komplexes System, welches dazu bestrebt ist, den Menschen möglichst gesund zu halten. Dadurch kann es ein gewisses Maß an Fehlsuggestionen problemlos kompensieren.

Vorurteil 3: Die Hypnose kann missbraucht werden um Menschen zu manipulieren

In Kriminal- und Horrorfilmen und -romanen kommt die Hypnose oft in einem sehr negativen Zusammenhang vor. Dort sehen wir, dass eine Person hypnotisiert und anschließend dazu gebracht wird, verschiedene Verbrechen, bis hin zum Mord, zu begehen. Wenn wir dabei im Kopf behalten, wie in Hypnoseshows viele Leute ebenfalls völlig willenlos und kontrollierbar erscheinen, kann der Verdacht naheliegen, dass es tatsächlich möglich ist, Menschen durch Hypnose zu steuern. Doch solche Szenarien wie in den fiktionalen Geschichten sind sehr unrealistisch. Obwohl bei der Hypnose der Zugang auf das Unterbewusstsein geöffnet wird und dazu der kritische Verstand, welcher als natürlicher Filter arbeitet, abgemildert wird, behalten wir durchaus noch ein gewisses Maß an Bewusstsein und Reflexionsvermögen. Würde ein Hypnotiseur den Befehl geben, etwas zu tun, was der Hypnotisierte nicht möchte, wird dieser für gewöhnlich sofort aufwachen und sich meist sogar daran erinnern, was der Hypnotiseur zuletzt gesagt hat. Hypnose funktioniert also für gewöhnlich nur, wenn man sich auf sie einlässt und sie zulässt. Die oft in der Show-Hypnose eingesetzte Blitzhypnose ist da eine Ausnahme. Sie kann jemanden innerhalb weniger Sekunden unerwartet in Trance versetzen. Doch auch hierbei bleibt die Fähigkeit zum kritischen Denken noch teilweise erhalten, zudem schwankt die Tiefe der Trance sehr stark. Eine Beeinflussung gegen den eigenen Willen ist also sehr unwahrscheinlich.

Vorurteil 4: Hypnose ist Betrug, weil einem nur eine Wirkung eingeredet wird

Dies führt zu einem anderen Mythos, welcher besagt, dass Hypnose nur dadurch wirkt, dass einem etwas eingeredet wird, bis man es selbst glaubt und es somit nur bei schwachen Persönlichkeiten funktioniert. Doch der Zustand der Hypnose wurde durch Kernspinresonanztomographie (MRT) und Elektroenzephalographie (EEG) nachgewiesen, da die Gehirnaktivität sich im Trancezustand stark von dem Wachzustand unterscheidet. Des Weiteren haben viele Studien die Wirksamkeit der Hypnose bestätigt. Die Ergebnisse sind so handfest, dass Hypnose auch von den Krankenkassen als eine seriöse und wirksame Behandlung angesehen wird. So hilft sie auch bei eindeutigen und wissenschaftlich prüfbaren Problemen wie Schlafstörungen, Neurodermitis, Suchtkrankheiten, Sprechstörungen und chronischen Schmerzen.

Vorurteil 5: Mit Hypnose erreichte Verbesserungen halten nur kurz an

Viele Studien, vor allem die der Milton H. Erickson Gesellschaft und der Universität Tübingen haben die Langfristigkeit der Behandlungen mit Hypnose untersucht. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass durch Hypnose viel langfristigere Erfolge erreicht werden als mit herkömmlichen Behandlungsmethoden. Dies lässt sich dadurch erklären, dass bei anderen Behandlungen oft nur die Symptome behandelt werden, die Ursachen aber bestehen bleiben. Dadurch wird zwar anfangs eine Besserung erzielt, doch diese hält nicht lange an. Die Hypnose geht Probleme hingegen an der Wurzel, also im Unterbewusstsein an. Wenn die Ursache eines Problems gelöst wird, werden auch die Symptome schnell abklingen. Zwar kommt es vor, dass die gewünschte Wirkung nach der Hypnosesitzung allmählich schwächer wird, doch lassen sich die Suggestionen immer wieder auffrischen und nach mehreren Sitzungen bleiben sie fest verankert und können langfristig ihre Wirkung zeigen.


Die Hypnose ist somit ein gut erforschtes Gebiet, vor dem man sich nicht fürchten braucht. Wie bei jeder medizinischen Behandlung gibt es auch hier gewisse Regeln, die beachtet werden müssen. Ein erfahrener und verantwortungsvoller Hypnotiseur kennt die Risiken und die Probleme, die bei einer Hypnosesitzung auftreten können und weiß, wie er sie verhindern kann. So kann eine hohe Sicherheit gewährleistet werden, welche Sorgen und Zweifel völlig unnötig macht. Die weit verbreiteten Mythen hinsichtlich der Hypnose sind zum einen Teil völlig haltlos und resultieren zum anderen Teil aus dem Verhalten von verantwortungslosen und unprofessionellen Hypnotiseuren, welche – meist aus Unwissenheit – falsche Techniken anwenden und nie gelernt haben, welche Regeln zu befolgen sind um mögliche Risiken auszuschließen. Um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten ist es also wichtig, einen seriösen und erfahrenen Hypnotiseur zu wählen. Es ist auch ratsam, erst einmal ein Beratungsgespräch mit dem Hypnotiseur zu führen, um ihn kennen zu lernen und einen Eindruck von ihm zu bekommen. Auch helfen Erfahrungsberichte von anderen Klienten bei der Einschätzung.

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